
Abraham – The Departure
Mach dich auf den Weg!
Bedeutung in Kürze
Mit 75 bricht Abraham noch einmal auf – ohne Ziel, nur mit einer Richtung und einem verrückten Versprechen. Vielleicht ist auch für dich die Zeit für einen Aufbruch gekommen. Den ganzen Weg musst du dafür nicht kennen.
Ausführliche Deutung
Abraham ist 75 Jahre alt, als sein Leben eine völlig neue Wendung nimmt. Und zwar wegen einer Stimme. Er ist überzeugt, dass Gott zu ihm spricht: „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will“ (Gen 12,1). Dazu kommt das Versprechen, er werde Nachkommen haben wie Sterne am Himmel. Ein wahnsinniges Versprechen für einen alten Mann mit einer ebenso betagten Frau. Trotzdem bricht Abraham auf, mit Sack und Pack, ohne festes Ziel, nur mit einer Richtung.
Unterwegs kommen die Zweifel. Als Gott das Kind ankündigt, steht Sara hinter der Zeltwand und lauscht – und muss lachen. Schwanger, in ihrem Alter? Also helfen die beiden nach: Saras Magd Hagar soll für sie ein Kind von Abraham bekommen, Ismael. Doch dann wird Sara tatsächlich schwanger. Ihr Sohn heißt Isaak – „er lacht“.
Aufbruch kann auch Flucht sein. Wir lassen alles Gewohnte hinter uns, weil wir uns bestimmten Problemen nicht stellen wollen. Den Ballast nehmen wir trotzdem mit. Und unser Aufbruch hat Folgen für andere. Hagar wurde nicht gefragt. Sie wurde benutzt, um den Lebensplan von Abraham und Sara zu erfüllen, und später mit ihrem Sohn in die Wüste geschickt. Doch die Bibel vergisst sie nicht: Schon bei ihrer ersten Flucht in die Wüste begegnet ihr ein Engel, und Hagar gibt Gott als einziger Mensch in der Bibel einen eigenen Namen: „Du bist ein Gott, der mich sieht“ (Gen 16,13). Wen nimmst du auf deinem Weg mit – und wer zahlt den Preis?
Umgekehrte Bedeutung
Abraham hätte warten können, bis alles geklärt ist. Dann wäre er nie losgegangen. Wartest du gerade auf eine Garantie, die es nicht geben wird? Oder bist du so schnell unterwegs, dass du nicht mehr siehst, was du zurücklässt? Ein kleiner Schritt heute reicht.
Licht und Schatten
Lichtseite
- Vertrauen
- Offenheit
- Mut
- Beweglichkeit
Schattenseite
- Naivität
- Flucht
- fehlende Erdung
- blinder Optimismus
Die biblische Geschichte
Am Anfang steht ein einziger Satz: „Gehe aus deinem Vaterland und von deiner Freundschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will“ (Gen 12,1). Ein Ziel nennt dieser Ruf nicht. Abram bekommt eine Richtung und ein Versprechen, aber keine Landkarte. Und er ist kein junger Mann: „Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, da er aus Haran zog“ (Gen 12,4). Mit Sarai, Lot und dem ganzen Haushalt macht er sich auf. Unterwegs baut er Altäre – kleine Markierungen, die den Weg zu einer Geschichte mit Gott machen.
Die Bibel macht aus ihm trotzdem keinen Helden. Kaum ist eine Hungersnot da, flieht Abram nach Ägypten und gibt Sarai als seine Schwester aus, um die eigene Haut zu retten. Der Mann des großen Vertrauens schützt sich auf Kosten seiner Frau. Diese Szene gehört zur Karte dazu: Vertrauen ist bei Abraham keine Charaktereigenschaft, die man einmal hat. Es geht verloren und muss neu gefunden werden.
Am deutlichsten wird das bei der Verheißung eines Sohnes. Abraham und Sara sind alt, das Versprechen klingt absurd. Erst versuchen sie, nachzuhelfen: Hagar soll das Kind austragen. Die Folgen tragen am Ende Hagar und Ismael, die in die Wüste geschickt werden. Dann besuchen drei Fremde das Zelt in Mamre und wiederholen die Zusage. Sara hört hinter der Tür zu, „darum lachte sie bei sich selbst“ (Gen 18,12). Die Antwort ist eine Gegenfrage: „Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?“ (Gen 18,14). Als Isaak geboren wird, trägt er das Lachen im Namen. Sara sagt: „Gott hat mir ein Lachen zugerichtet“ (Gen 21,6). Der Zweifel wird nicht bestraft. Er wird Teil der Geschichte.
Dann folgt Genesis 22, die Bindung Isaaks. Diese Erzählung bleibt verstörend, und die Karte versucht nicht, sie aufzulösen. Sie erinnert daran, dass Abrahams Weg nicht in einer glatten Erfüllung endet, sondern Zumutungen enthält, die bis heute Fragen aufwerfen.
Bei allem bleibt ein Satz aus dem ersten Ruf wichtig: „Du sollst ein Segen sein“ (Gen 12,2). Abrahams Aufbruch gilt nie nur ihm selbst. Ob ein Neuanfang gelingt, zeigt sich auch daran, was er für andere möglich macht.
Fragen zum Nachdenken
- Welcher Aufbruch ruft mich, obwohl ich das Ziel noch nicht kenne?
- Welche Möglichkeit habe ich innerlich schon ausgeschlossen, weil sie mir unlogisch erscheint?
- Was möchte ich zurücklassen, und was muss ich verantwortlich mitnehmen?
- Wo versuche ich, eine erhoffte Zukunft zu erzwingen, statt ihr Zeit zu lassen?
- Worüber habe ich schon gelacht, weil es mir zu unwahrscheinlich vorkam?
- Wem könnte mein nächster Schritt ebenfalls zum Segen werden?
- Was ist der kleinste konkrete Schritt, mit dem der Weg wirklich beginnt?