BIBLE TAROT

Tarot und Christentum

Biblische Geschichten auf Tarotkarten – wie passt das zusammen?

Tarotkarten und die Bibel – für viele klingt das erst einmal nach zwei Dingen, die sich grundsätzlich ausschließen. Doch beide arbeiten mit Bildern, die älter sind als wir selbst. Und beide können helfen, das eigene Leben ein Stück besser zu verstehen.

Wer bin ich?

1944 schreibt der Theologe und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis ein Gedicht. Er fragt sich, wer er eigentlich sei: der Gelassene, als den ihn die anderen erleben, oder der Unruhige, den nur er selbst kennt. Am Ende heißt es:

»Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich? […] Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!«

Auf solche Fragen gibt es selten eine einfache Antwort. Manchmal hilft ein Spiegel, in dem wir etwas von uns selbst erkennen. Die Bibel hält uns viele solcher Spiegel vor: Menschen, die zweifeln, scheitern, aufbrechen – und von Gott trotzdem nicht losgelassen werden.

Was Tarotkarten sind – und was nicht

Tarot war ursprünglich ein Kartenspiel. Es entstand um 1440 an italienischen Fürstenhöfen, mit Bildern voller christlicher Motive: Papst, Teufel, Engel, Jüngstes Gericht. Erst im 18. Jahrhundert begann man, die Karten zum Wahrsagen zu benutzen.

Genau da zieht die Bibel eine klare Grenze. Wahrsagerei lehnt sie ab (5. Mose 18,10–12). Die bekannteste Geschichte dazu erzählt von König Saul, der vor einer Schlacht solche Angst hat, dass er nachts eine Totenbeschwörerin in En-Dor aufsucht (1. Samuel 28). Die Zukunft erzwingen zu wollen, statt sie Gott zu überlassen, tut ihm nicht gut.

BIBLE TAROT sagt deshalb nichts über die Zukunft. Die Karten sind ein Spiegel, kein Orakel.

Uralte Bilder in uns

Viele biblische Geschichten sind sehr alt. Die Erzählung von der Sintflut zum Beispiel gab es in Mesopotamien schon lange vor der Bibel, im Gilgamesch-Epos. Auch dort schickt der Held nach der Flut eine Taube los, um zu sehen, ob das Land wieder trocken ist – wie Noah auf der Karte The Covenant. Solche Bilder wandern durch Jahrtausende und Kulturen, weil sie etwas Grundlegendes über den Menschen erzählen: Angst und Neuanfang, Verrat und Versöhnung, Aufbruch und Heimkehr.

Der Schweizer Psychiater C. G. Jung nannte solche Urbilder Archetypen. Er war überzeugt, dass sie tief in jedem Menschen angelegt sind, in einem „kollektiven Unbewussten“. Auch in den Tarotkarten sah er solche Bilder: den Turm, der vom Blitz getroffen wird, den Gehängten, das Rad des Schicksals.

Der evangelische Theologe Paul Tillich hat beschrieben, was gute Symbole leisten: Sie öffnen Ebenen der Wirklichkeit, die uns sonst verschlossen bleiben, und zugleich etwas in unserer eigenen Seele. Ein biblisches Bild erzählt also nicht nur etwas über Gott, sondern auch über mich.

Ein Jesuit stellt die richtige Frage

Schon 1984 hat der Jesuit Josef Sudbrack in der Zeitschrift „Geist und Leben“ über Tarot geschrieben. Wahrsagerei nannte er Aberglauben. Als Hilfe, sich selbst besser zu verstehen, hielt er die Bilder aber für brauchbar, ähnlich wie bei einer Bildmeditation. Und dann fragte er, ob ein Bild von der Krippe oder vom Kreuz nicht viel mehr bewirken würde als die eher zufälligen Tarotbilder.

BIBLE TAROT nimmt diese Frage auf. Statt Herrscher, Magier und Hohepriesterin zeigen die Karten Abraham, Mose, Miriam und Elia.

Viele Stimmen in einem Menschen

Bonhoeffers „der oder jener?“ kennen die meisten aus dem Alltag. Ein Teil will den neuen Job, ein anderer hat Angst davor, ein dritter möchte eigentlich nur aufs Sofa. Die Psychologie spricht vom „inneren Team“, und auch in der Seelsorge arbeitet man inzwischen mit solchen inneren Anteilen.

Die Karten helfen, diese Stimmen zu sortieren. Vielleicht erkennst du dich im zögernden Mose wieder, der sich für den Falschen hält. Oder im erschöpften Elia, der nur noch schlafen will. Oder in Esther, die Angst hat und trotzdem losgeht. Gott hat keinen von ihnen aufgegeben.

Stückwerk ist erlaubt

Der evangelische Theologe Henning Luther hat einen tröstlichen Gedanken formuliert: Kein Mensch ist je fertig. Wir bleiben Bruchstück, und das gehört zum Menschsein dazu. Wir müssen uns deshalb auch nicht selbst zu einem vollkommenen Ganzen machen.

Paulus sagt es so: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin“ (1. Korinther 13,12).

Auch eine Legung zeigt nur ein Stück. Heute meldet sich die eine Seite in uns, morgen vielleicht eine andere. Keine Karte zeigt den ganzen Menschen. Das ganze Bild kennt nur Gott. Oder, mit Bonhoeffer gesprochen: „Du kennst mich.“

Wie man BIBLE TAROT nutzt

Wenn du wissen willst, was nächstes Jahr passiert, helfen dir die Karten nicht weiter. Wenn du aber eine biblische Geschichte neben deine eigene Frage legen und schauen möchtest, was sie in dir anstößt, können sie deiner Selbstreflexion eine weitere Perspektive erschließen.

Die Karten können kein Gebet, kein gutes Gespräch und erst recht keine Hilfe in einer Krise ersetzen. Aber sie können ein Anlass sein, still zu werden und genauer hinzusehen. Probiere es mit einer Tageskarte.

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Zum Weiterlesen

  • Dietrich Bonhoeffer: „Wer bin ich?“, in: Widerstand und Ergebung.
  • C. G. Jung: Visions. Notes of the Seminar Given in 1930–1934, Princeton 1997.
  • Paul Tillich: Wesen und Wandel des Glaubens (engl. Dynamics of Faith, 1957).
  • Josef Sudbrack SJ: Aberglaube – Torheit – Psychologie – Weisheit, in: Geist und Leben 57 (1984).
  • Henning Luther: Identität und Fragment, in: Religion und Alltag, Stuttgart 1992.
  • Bibelzitate nach der Lutherübersetzung (2017).