BIBLE TAROT
The Beloveds – Desire – Karte VI im Bibel Tarot

Karte VI · entspricht „Die Liebenden“ im klassischen Tarot · Hld 2,8–17; 8,6–7

The Beloveds – Desire

Liebe hält fest, ohne festzuhalten.

Bedeutung in Kürze

Im Hohelied sagt eine Frau laut, was sie begehrt – mitten in der Bibel. Liebe darf stark und sinnlich sein. Aber sie funktioniert nur, wenn beide frei bleiben. Was willst du wirklich?

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Ausführliche Deutung

Das Hohelied ist eine Sammlung von Liebesliedern, und Gott kommt darin fast nicht vor. Dafür eine Frau und ein Mann, die sich suchen, beschreiben und begehren. Der Geliebte kommt über die Berge gesprungen wie ein junger Hirsch und ruft: „Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her! Denn siehe, der Winter ist vergangen“ (Hld 2,10–11).

Mitten in all dem Schwärmen steht ein nüchterner Satz: „Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben“ (Hld 2,15). Es sind selten die großen Katastrophen, die eine Liebe kaputt machen. Es sind die kleinen Kränkungen, über die keiner redet.

Und das Hohelied verschweigt auch die schwere Seite nicht. Nachts sucht die Frau ihren Geliebten, findet ihn nicht und wird von den Wächtern der Stadt geschlagen. Am Ende steht der berühmte Satz: „Liebe ist stark wie der Tod“ (Hld 8,6). Kaufen kann man sie nicht, festhalten auch nicht. Welche kleinen Füchse laufen gerade durch deinen Weinberg?

Umgekehrte Bedeutung

Vielleicht siehst du im anderen vor allem das, was du dir wünschst. Vielleicht gibst du dich auch so sehr auf, dass von dir kaum noch etwas übrig ist. Liebe braucht zwei, die frei bleiben. Sag ehrlich, was du willst – und hör genauso ehrlich zu.

Licht und Schatten

Lichtseite

  • Gegenseitigkeit
  • Intimität
  • Begehren
  • bewusste Wahl

Schattenseite

  • Projektion
  • Besitzdenken
  • Selbstverlust
  • unerfüllte Sehnsucht

Die biblische Geschichte

Das Hohelied ist eine Sammlung von Liebesliedern, und es ist eines der erstaunlichsten Bücher der Bibel. Gott kommt darin fast nicht vor. Dafür eine Frau, die ihr Begehren laut ausspricht, und ein Mann, der ihr antwortet. Beide schauen einander an, beschreiben einander, suchen einander. Die weibliche Stimme ist dabei kein Objekt männlicher Wahl. Sie wünscht, ruft, sucht und sagt: „Ich bin schwarz, aber gar lieblich“ (Hld 1,5).

Im zweiten Kapitel kommt der Geliebte „und hüpft auf den Bergen“ (Hld 2,8), wie ein Reh oder junger Hirsch. Er ruft sie hinaus: „Stehe auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her! Denn siehe, der Winter ist vergangen“ (Hld 2,10f.). Liebe ist Bewegung und Wagnis. Und gleich darauf eine überraschend nüchterne Bitte: „Fanget uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben“ (Hld 2,15). Nähe braucht Aufmerksamkeit für die kleinen Verletzungen, die Vertrauen untergraben.

Das Hohelied verschweigt auch das Scheitern nicht. In einer Nacht sucht die Frau ihren Geliebten: „ich suchte ihn, aber ich fand ihn nicht; ich rief, aber er antwortete mir nicht“ (Hld 5,6). Die Wächter der Stadt greifen sie auf und schlagen sie. Das Begehren macht verletzlich – auch gegenüber einer Welt, die weibliche Freiheit bestraft.

Am Ende steht der berühmteste Satz des Buches: „Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod“ (Hld 8,6). Innen und außen, Gefühl und sichtbare Bindung gehören zusammen. Und doch lässt sich diese Liebe nicht besitzen: „Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, so gölte es alles nichts“ (Hld 8,7). Weil das Buch so offen bleibt, haben Juden und Christen es immer auch als Bild für die Liebe zwischen Gott und Mensch gelesen. Beides darf nebeneinander stehen.

Fragen zum Nachdenken

  • Was begehre ich wirklich – jenseits dessen, was ich begehren sollte?
  • Ist die Verbindung, nach der ich mich sehne, tatsächlich gegenseitig?
  • Welches Bild lege ich auf mein Gegenüber, das eigentlich aus meiner eigenen Sehnsucht stammt?
  • Welche meiner Werte müssen in einer Entscheidung sichtbar werden?
  • Wo verliere ich mich, um Nähe zu sichern?
  • Welche kleinen Füchse sind gerade in meinem Weinberg unterwegs?
  • Was würde ein freies Ja konkret bedeuten?
Impuls für heute: Sprich heute einen Wunsch aus, ohne daraus eine Forderung zu machen. Und hör gut zu, was zurückkommt.