
The Samaritan – The Healing
Nächster ist man nicht. Nächster wird man.
Bedeutung in Kürze
Zwei fromme Männer gehen am Verletzten vorbei. Ausgerechnet der Fremde bleibt stehen. Helfen heißt manchmal einfach: anhalten. Wo bist du gerade gefragt – und wo darfst du Hilfe annehmen?
Ausführliche Deutung
Ein Gesetzeslehrer fragt Jesus: „Wer ist denn mein Nächster?“ (Lk 10,29). Jesus erzählt von einem Mann, der auf der Straße nach Jericho überfallen und halb tot liegen gelassen wird. Ein Priester kommt vorbei und geht weiter. Ein Levit auch. Dann kommt ein Samariter, einer aus einer verachteten Gruppe. „Und als er ihn sah, jammerte er ihn“ (Lk 10,33) – es geht ihm durch und durch.
Was dann kommt, ist ganz praktisch. Er gießt Öl und Wein in die Wunden und verbindet sie. Er setzt den Mann auf sein eigenes Tier und bringt ihn in eine Herberge. Am nächsten Morgen gibt er dem Wirt zwei Silbermünzen: „Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme“ (Lk 10,35). Dann reist er weiter. Er macht viel, aber nicht alles allein.
Am Ende dreht Jesus die Frage um: Wer von den dreien ist dem Verletzten zum Nächsten geworden? Man ist nicht der Nächste. Man wird es, indem man hilft. An wem gehst du gerade vorbei – und von wem würdest du ungern Hilfe annehmen?
Umgekehrte Bedeutung
Du hilfst so viel, dass du selbst auf der Strecke bleibst. Oder du lehnst Hilfe ab, weil sie von der falschen Seite kommt. Auch der Samariter hat nicht alles allein gemacht: Er hatte einen Wirt und zwei Silbermünzen.
Licht und Schatten
Lichtseite
- Fürsorge
- Heilung
- besonnene Hilfe
- verbindendes Mitgefühl
Schattenseite
- Helfersyndrom
- Selbstaufgabe
- Grenzenlosigkeit
- Bevormundung
Die biblische Geschichte
Ein Gesetzeslehrer will Jesus prüfen. Er weiß, dass man Gott und den Nächsten lieben soll. Aber er will es genau wissen: „Wer ist denn mein Nächster?“ (Lk 10,29). Jesus antwortet mit einer Geschichte.
Ein Mensch geht von Jerusalem hinab nach Jericho, eine steile, gefährliche Straße durch die Wüste. Räuber überfallen ihn, nehmen ihm alles, schlagen ihn und lassen ihn halb tot liegen. Ein Priester kommt vorbei und geht auf der anderen Seite weiter. Ein Levit ebenso. Dann kommt ein Samariter – für die Zuhörer ein Angehöriger einer verachteten, als unrein geltenden Gruppe. „Und da er ihn sah, jammerte ihn sein“ (Lk 10,33). Das griechische Wort meint ein Mitgefühl, das bis in die Eingeweide geht.
Was dann folgt, ist erstaunlich praktisch. Der Samariter verbindet die Wunden und gießt Öl und Wein darauf, das eine lindernd, das andere reinigend. Er setzt den Verletzten auf sein eigenes Tier, bringt ihn in eine Herberge und pflegt ihn. Am nächsten Morgen gibt er dem Wirt zwei Silbermünzen: „Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme“ (Lk 10,35). Er tut viel, aber nicht alles allein. Er übergibt, bezahlt, kündigt seine Rückkehr an – und reist weiter.
Am Ende dreht Jesus die Ausgangsfrage um. Er fragt nicht: Wer ist der Nächste des Samariters? Er fragt: „Welcher dünkt dich, der unter diesen dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war?“ (Lk 10,36). Der Nächste ist keine Kategorie von Menschen, die man lieben muss. Nächster wird man, indem man hilft. „So gehe hin und tue desgleichen!“
Fragen zum Nachdenken
- Welche Hilfe wird tatsächlich gebraucht?
- Was kann ich geben, ohne mich zu verlieren?
- Wer kann die Verantwortung mittragen?
- An wem gehe ich vorbei, und warum?
- Von wem würde ich ungern Hilfe annehmen?
- Wo verwechsle ich Harmonie mit Heilung?