
The Tomb – Transformation
Erst der Samstag, dann der Sonntag.
Bedeutung in Kürze
Zwei Männer legen Jesus ins Grab, ohne zu wissen, was am Sonntag passiert. Sie tun einfach, was man für Tote tut. Manches muss erst zu Ende gehen dürfen. Was ist bei dir vorbei?
Ausführliche Deutung
Karfreitagabend. Josef von Arimathia und Nikodemus haben bisher nur heimlich zu Jesus gehalten. Jetzt treten sie hervor. Josef bittet Pilatus um den Leichnam, Nikodemus bringt Myrrhe und Aloe mit, ungefähr hundert Pfund – ein Begräbnis wie für einen König. Sie wickeln den Toten in Leinentücher und legen ihn in ein neues Grab in einem Garten.
Dann kommt der Samstag. Die Frauen haben Salben vorbereitet und warten. „Den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz“ (Lk 23,56). Kein Wunder, keine Hoffnung, nur Trauer. Dieser Tag wird oft übersprungen. Aber er gehört dazu.
Jesus selbst hat gesagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht“ (Joh 12,24). Verwandlung gibt es nicht am Ende vorbei, nur durch das Ende hindurch. Was braucht bei dir einen Abschied, bevor etwas Neues wachsen kann?
Umgekehrte Bedeutung
Etwas ist längst vorbei, und du hältst es trotzdem fest. Oder du stürzt dich ins nächste Projekt, damit du nicht trauern musst. Zwischen Freitag und Sonntag liegt der Samstag. Gönn ihn dir.
Licht und Schatten
Lichtseite
- Abschied
- Leere
- Wandlung
- radikale Ehrlichkeit
Schattenseite
- Festhalten
- Verleugnung
- Ruinenfaszination
- vorschnelle Auferstehung
Die biblische Geschichte
Am Abend des Karfreitags hängt ein Toter am Kreuz, und es wird bald Sabbat. Zwei Männer kümmern sich um ihn, die bisher nur im Verborgenen zu Jesus gehalten haben. Josef von Arimathia, ein Jünger, „doch heimlich aus Furcht“, bittet Pilatus um den Leichnam. Nikodemus, der einst nachts zu Jesus gekommen war, bringt Myrrhe und Aloe mit, „bei hundert Pfunden“ (Joh 19,38f.). Das ist eine absurde Menge, ein Begräbnis für einen König. Sie wickeln den Körper in Leinentücher mit den Gewürzen und legen ihn in ein neues Grab in einem Garten, „in welches niemand je gelegt war“ (Joh 19,41).
Diese Szene ist Fürsorge ohne Lösung. Niemand weiß hier, was am Sonntag geschehen wird. Die beiden tun, was man für Tote tut: Sie geben dem Ende Zeit, Ort und Würde. Lukas erzählt von den Frauen, die Salben vorbereiten und dann warten: „Und den Sabbat über waren sie stille nach dem Gesetz“ (Lk 23,56). Ein ganzer Tag, an dem nichts geschieht außer Trauer.
Dieser Karsamstag wird oft übersprungen. Zwischen Kreuz und Ostermorgen liegt wirkliche Abwesenheit. Auch Jesus selbst hat am Grab seines Freundes Lazarus geweint – „und Jesus gingen die Augen über“ (Joh 11,35), obwohl er wusste, was er gleich tun würde. Und er hat selbst ein Bild für diese Zeit gefunden: „Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt's allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viel Früchte“ (Joh 12,24). Das Korn muss wirklich in die Erde. Verwandlung gibt es nur durch das Ende hindurch, nicht an ihm vorbei.
Fragen zum Nachdenken
- Was ist unwiderruflich vorbei?
- Was braucht eine Beerdigung statt einer Reparatur?
- Welche Erinnerung will bewahrt werden?
- Wo benutze ich Hoffnung, um der Trauer auszuweichen?
- Wer steht mit mir am Grab?
- Welches Weizenkorn muss in die Erde, damit etwas wachsen kann?